Ereignisse

1. Ein Polizist wird zu einem Einsatz gerufen, plötzlich fallen Schüsse...

2. Ein Zug gerät in voller Fahrt aus der Spur...

3. Mitten in der Nacht bebt die Erde stark...

4. Eine Frau auf dem Nachhauseweg wird plötzlich von hinten gepackt...

5. Ein Mann hat soeben erfahren, dass er Krebs hat...

6. Eine Mutter beobachtet, wie ihr kleiner Sohn direkt auf die Hauptstrasse zuläuft...

7. Ein kleiner Junge wird Zeuge, wie sein Vater seine Mutter brutal schlägt...

8. Ein kleines Mädchen liegt erstarrt im Bett, ein Mann legt sich auf sie...

Alle diese und viele tausend weitere Situationen haben eine Gemeinsamkeit;
sie sind stark belastend und lösen extremen Stress aus.
 

Ist das Ereignis ein Trauma?

Ob daraus ein Trauma entsteht, hängt nicht nur von der Intensität des Ereignisses ab. Ausschlaggebend ist vor allem, ob es die Bewältigungsmechanismen des betroffenen Menschen überfordert oder nicht. So hat der Polizist aus erster Situation sicher gute Chancen, das Ereignis zu bewältigen, hat er doch während seiner Ausbildung und Laufbahn das Verhalten bei Schusswechsel schon viele Male trainiert.

Fight or Flight - Kampf oder Flucht

Fight or Flight nannte der amerikanische Forscher Walter Cannon die Reaktion, die bei starker Stressaktivierung (autonomes Nervensystem, Sympathikus) ausgelöst wird. So wird sich die Frau aus Situation 4 durch Gegenwehr, Beissen, Schreien oder Treten und schliesslich Davonlaufen eventuell retten können. Die Mutter aus Beispiel 6 wird wahrscheinlich sofort den Namen des kleinen Sohnes brüllen und loslaufen um ihn zu stoppen. Diese Kampf- und Flucht-Reaktionen sind sinnvoll und ermöglichen unter Umständen Rettung und Überleben. Die Chance, dass die belastenden Ereignisse dadurch verarbeitet werden können, erhöht sich.

Freeze und Fragment - Erstarren und Aufsplittern

Wenn weder Angriff noch Flucht möglich ist, dann bleibt dem Gehirn nur noch eines übrig um den Organismus zu schützen: die Abschaltung. Freeze bedeutet wörtlich "einfrieren", gemeint ist eine Lähmungsreaktion - eine Erstarrung. Fragment bedeutet zersplittern und wegdrücken. Jetzt findet für den Menschen das Ereignis sicher als Trauma statt. Eine Flut von schmerzbetäubenden körpereigenen Opiaten blockiert die integrative Wahrnehmung des Betroffenen. Der Mensch im Freeze-Zustand schreit nicht, ruft nicht um Hilfe, weint nicht, reagiert nicht - weil er es nicht kann! Auch die Autonummer kann er sich nicht merken in diesem Zustand, der dafür notwendige Hirnteil ist abgeschaltet...

Das Mädchen aus Beispiel 8 befindet sich in diesem Zustand. Es hat dieselbe Situation unter Umständen schon viele Male erlebt und die einzige Strategie, die ihm noch Linderung verschaffen kann, ist die Erstarrung und Abkoppelung der traumatischen Erfahrung aus dem Erinnerungsschatz (Hüter, 2001a). Das bedeutet, dass sich das Kind später nicht mehr kognitiv an den Missbrauch erinnert, der Körper erinnert sich jedoch (siehe Kindheit und Sexuelle Gewalt). Ein Missbrauch hinterlässt schwere Folgen.

Der Trauma-Falle entkommen

Ein Trauma mit all seinen Folgen und Symptomen ist keine Krankheit, traumatischer Stress ist kein pathologischer Zustand. Es ist die natürliche Reaktion des Körpers auf eine Situation, die als lebensbedrohlich, überwältigend und ausweglos wahrgenommen wird. Niemand kann angesichts solcher Ereignisse „cool“ bleiben.

Leider haben die Schutzmechanismen Folgen für die Zukunft der Betroffenen, sie leiden auch lange danach noch unter posttraumatischem Stress PTSD. Fachkundige und gezielte Unterstützung durch eine Trauma-Arbeit STA® *siehe Infospalte, ist jetzt notwendig um der Trauma-Falle zu entkommen.

Das schlimme Erlebnis kann leider nicht rückgängig oder ungeschehen gemacht werden, aber es kann glücklicherweise nachträglich erfolgreich in die eigene Geschichte integriert und somit verarbeitet werden. Das führt wieder zu Lebensqualität, der Aufwand lohnt sich.

Infobox

Ereignisse, nach denen besonders schwere Traumareaktionen zu erwarten sind:

  • dauern sehr lange
  • wiederholen sich häufig
  • lassen das Opfer mit schwereren körperlichen Verletzungen zurück
  • sind vom Opfer schwerer zu verstehen
  • beinhalten zwischenmenschliche Gewalt
  • der Täter ist ein nahe stehender Mensch
  • das Opfer mochte (mag) den Täter
  • das Opfer fühlt sich mitschuldig
  • die Persönlichkeit ist noch nicht gefestigt oder vorbelastet
  • beinhalten sexuelle Gewalt
  • beinhalten sadistische Folter
  • haben mehrere Täter das Opfer zugerichtet
  • hatte das Opfer starke Dissoziationen
  • hat niemand dem Opfer unmittelbar danach beigestanden
  • hat niemand nach der Tat darüber mit dem Opfer gesprochen
  • aus Trauma und die Folgen von Michaela Huber

* Mit der integrativen Enttrübungs- und Entkoppelungstechnik IEET® und der somatischen Trauma-Arbeit STA® hat Irena Brehm-Tüscher (ist-Institut Winterthur) Methoden weiter entwickelt, welche neben dem Stressabbau die vollständige Integration der traumatischen Erfahrung zum Ziel haben.

Gerne beantworte ich Ihre Fragen:

Tel 076 442 05 30