Traumatischer Stress

Die Ursachen für traumatischen Stress sind vielfältig, ebenso die Auswirkungen. Nicht jedes Ereignis führt bei jeder Person zu gleichen oder gleich schweren Symptomen. Hilfreiche Faktoren für die Verarbeitung sind vorhandene Ressourcen, psychische Stabilität, ein gutes soziales Umfeld, das Vorhandensein von Selbstwertgefühl und Selbstfürsorge. Die liebevolle Unterstützung ist ebenfalls bedeutend und natürlich auch das stabile Fundament, das eine Kindheit mit sich bringt, in der die die Beziehungs- und Entwicklungsbedürfnisse liebevoll berücksichtigt und erfüllt wurden. Auch wenn diese stabilisierenden Faktoren teilweise oder sogar ganz fehlen (oder fehlten), kann traumatischer Stress erfolgreich überwunden werden. In diesem Fall benötigt die Integration des Erlebten und das begleitete Nachentwickeln dieser Ressourcen etwas mehr Zeit. Die Bereitschaft zur Arbeit und die kompetente und liebevolle Unterstützung einer Trauma-Fachperson ist in jedem Fall wichtig.

Typische unmittelbare Folgen von traumatischem Stress (auch akute Anpassungsstörung genannt) können sein:

  • Verstörung, Verwirrung, emotionales Chaos, Hyperventilation, Zittern, Herzrasen, Blutdruckabfall, Apathie, Sprachlosigkeit, Bilderflut, eingeschränkte Wahrnehmung des eigenen Körpers oder der Umwelt, das Gefühl wie unter einer Glocke zu sein
  • starke Schmerzen, teilweise oder vollständige Empfindungslosigkeit, Ohnmacht, Schock, Verlust der Fähigkeit zur raumzeitlichen Einordnung des Geschehens, evtl. gefolgt von Nichts-mehr-Wissen.

Diese Erstreaktionen entstehen durch das vorübergehende Abschalten des Hippocampus-Systems und einer gleichzeitigen Amygdala-Allein-Reaktion und den dadurch ausgelösten hochgradigen Stress. Nach einem Trauma steht für das Gehirn ganz viel Arbeit an. Es versucht wieder ins Gleichgewicht zu kommen, die weggekippten, fragmentierten oder verlorenen Inhalte zusammenzusetzen, zu integrieren und das Geschehene zu verarbeiten. Diese Arbeit braucht Zeit und ist zum Teil mit erheblichen körperlichen und seelischen Irritationen verbunden.

Die in diesem Fall normale Posttaumatische Belastungsreaktion kann bis zu drei Monate andauern und folgende Elemente beinhalten:

  • Angstzustände und erhöhte Schreckhaftigkeit, Albträume und Schlafstörungen, häufiges Wiedererleben von Teilen des Traumas, immer wiederkehrende vegetative Körperreaktionen wie z.B. Zittern
  • Vermeidung von möglichst allen Reizen, die mit dem Trauma zu tun haben, Gefühle von Empfindungslosigkeit, Losgelöst sein von anderen, Einsamkeit, Entfremdung von Nahestehenden, Kontaktverweigerung
  • Beeinträchtigung der Wahrnehmung der Umwelt, des eigenen Körpers und eigener Gefühle, Konzentrations- und Leistungsverlust, emotionale Instabilität und Dünnhäutigkeit, das Gefühl wie betäubt zu sein

Die Zeit nach dem Trauma ist enorm anstrengend, das Gehirn und der Organismus schwankt ständig zwischen: „Weg damit!“ und „Hier sind wieder Teile davon – werde damit fertig“. Eine liebevolle Begleitung des Traumatisierten ist jetzt extrem wichtig.

Wenn die Stress-Symptome nach vier Monaten nicht abklingen oder sogar stetig intensiver werden, spricht man von einer Posttraumatischen Belastungsstörung (Englisch PTSD Posttraumatic Stress Disorder):

  • Wiedererleben (von Teilen) der belastenden Erinnerung in Form von Gedanken, Albträumen, Flashbacks (= plötzliches intensives Wahrnehmen von Traumabestandteilen mit Wiedererlebensqualität), Pseudohalluzinationen (eine dunkle Gestalt aus den Augenwinkeln wahrnehmen, die bedrohlich auf einen zukommt etc.)
  • Bei Kindern auch: häufiges Nachspielen der belastenden Szenen, ohne dass Erleichterung eintritt, viele Albträume mit stark ängstigenden Inhalten, das Kind handelt wieder wie im Trauma
  • Starke gefühlsmässige und körperliche Belastungssymptome bei allem, was an das Trauma erinnert
  • Anhaltende Vermeidung von Reizen, die an das Trauma erinnern
  • Unfähigkeit, wichtige Aspekte des Traumas zu erinnern (Amnesie)
  • Gefühl der Losgelöstheit von der Umgebung (Derealisierung) bzw. vom Körper (Depersonalisierung) bis hin zu dissoziativen Identitätsstörungen
  • Gefühl der Entfremdung von anderen, Unfähigkeit zärtliche Gefühle zu empfinden oder auszudrücken, Gefühl eine eingeschränkte Zukunft zu haben, vermindertes Interesse am sozialen Leben, Verlust von Spiritualität
  • Erhöhte Erregung: Schlafstörungen, Reizbarkeit, Konzentrationsstörungen, übermässige Aufmerksamkeit, Schreckreaktionen.
  • Aufzählung aus American Psychiatric Association: DSM-IV, 1994; Dilling et al: ICD-10, 1997)

Etwa ein Viertel der Posttraumatischen Belastungsstörungen sind „late onset PTSD“, das bedeutet: Sie haben früh ihren Anfang, brechen aber erst später, nach einem erneuten extremen Stress aus (siehe Flatten et al., 2001). Das bedeutet; ein Mensch kann lange Zeig nach dem Trauma erst einmal gut funktionieren, so als hätte er das Trauma gut integriert, dann – etwa an einem Jahrestag des Traumas oder durch eine erneute Traumatisierung, oder auch einfach so – bricht erst die PTSD aus.

Leider können Betroffene und oft auch Fachpersonen keinen Zusammenhang zwischen der traumatischen Erfahrung und den späteren körperlichen und emotionalen Folgeerscheinungen herstellen. Gemäss Gottfried Fischer, Professor für Psychologie und Psychotherapie der Universität Köln und Begründer der Psychotraumatologie in Deutschland leiden durchschnittlich 40 % der Betroffenen unter Gedächtnis- und Konzentrationsstörungen und können sich zeitweilig oder sogar dauerhaft nicht mehr an das Ereignis erinnern. Der immense Stress während des Traumas und die dadurch weggekippten Inhalte sind die Ursache. Selbst wenn das Trauma noch erinnert wird, sind oft damit verbundene intensive Gefühle abgespalten, die Person möchte keinesfalls daran erinnert werden und gerät verständlicherweise in eine bewusste oder auch unbewusste Vermeidungshaltung. Nun, wird die Erinnerung vermieden oder ist sie verloren, so kann leider auch kein Zusammenhang zwischen den Folgeerscheinungen wie Aengste, Depression oder Körperbeschwerden und dem auslösenden Ereignis gesehen werden. Betroffene können sich und ihr Körpererleben oder ihre psychischen Symptome nicht verstehen, sie befürchten verrückt oder unzurechnungsfähig zu sein und schämen sich. Viele Traumata berühren zudem sogenannte "Tabuthemen" - anstatt dass die Opfer Verständnis erhalten und sich selber verstehen - bewirkt Scham und Schmerz sowie Unwissenheit, dass sie schweigen oder sich verstecken. Das Leiden Betroffener wird dadurch noch immens vergrössert.

Wiederholte, langjährige und schwere Traumatisierungen in der Kindheit und Jugend wiegen besonders schwer, weil sie sich nachteilig auf die gesunde Entwicklung auswirken. Oft werden diese so stark abgespalten, dass sie im Erwachsenenalter überhaupt nicht kognitiv abrufbar sind. Erinnerungen zeigen sich dann implizit, das heisst in Form von Flash-Backs, sowie körperlichen und emotionalen Symptomen und Verhaltensmustern. Die komplexe PTSD wird darum oft nicht als solche erkannt, die Verbindung zum auslösenden Ereigniss oder den Ereignissen von früher kann (vorerst) nicht oder nur teilweise hergestellt werden. Weiterhehende Informationen siehe hier: Kindheit

Eine Aufarbeitung des traumatischen Materials in Begleitung einer Trauma-Fachperson bringt grosse Erleichterung, weil der damit zusammenhängende Stress aufhört. Das bringt enorme Lebensqualität zurück.

Wagen Sie es, sie werden von mir liebevoll und kompetent begleitet.

Weitergehende Informationen zur Trauma-Arbeit

 

Infobox

Ereignisse

Ein Trauma ist immer ein Anschlag auf die menschliche Identität.

Naturkatastrophen:

  • Erdbeben, Vulkanausbrüche, schwere Stürme, Überschwemmungen usw.

Durch Menschen direkt oder indirekt verursachte Katastrophen:

  • Unfälle, Verkehrsunfälle, Grossbrände, Verseuchung der Umwelt, Kernkraftunfälle
  • Mobbing in Schule und am Arbeitsplatz, Misshandlung durch Jugendbanden
  • Katastrophen als Folge menschlicher Aggressivität und Grausamkeit wie Geiselnahme, Kidnapping, Terrorismus, Folter, Vergewaltigung, Krieg, Völkermord
  • Extreme Armut, Flucht infolge fehlender Lebensperspektiven
  • Psychischer Druck, Angst-Terror und Kontrolle durch Religion und Sekten

Sexuelle Gewalt:

  • Sadismus und sexuelle Ausbeutung und deren Darstellung / Vermarktung im Internet (z.B. Kinderpornographie)
  • Erzwungene Prostitution, Sexuelle Nötigung, Vergewaltigung
  • Rituelle sexuelle Gewalt durch Satanisten

Katastrophen innerhalb der Familie:

  • Prä-, Peri- und Postnataler Stress (z.B. Abtreibungsversuch)
  • Adoption, Heim- und Klinikaufenthalt
  • Emotionale und körperliche Misshandlung
  • Vernachlässigung und Verwahrlosung
  • Trennung, Scheidung
  • Sexueller Missbrauch
  • Erleben von Gewalttätigkeit an anderen
  • Schwere oder frühe Trennungs- und Verlusterlebnisse
  • Alkohol- oder Drogensucht der Eltern
  • Schwere psychische Erkrankungen der Eltern
  • Chronischer Stress in der Kindheit
  • Tod der Eltern, eines Kindes oder eines Partners

Schmerzen und Autonomieverlust:

  • Schwere eigene und familiäre Erkrankungen
  • Operationen und Klinikaufenthalte sofern nicht gut begleitet
  • Lange anhaltende und starke Schmerzen
  • Autonomieverlust, Arbeitslosigkeit
  • Ereignis das Existenzangst auslöst
  • Burnout

Diese Liste hat keinen Anspruch auf Vollständigkeit.

Sackgasse Trauma:

  • das Trauma führt zu seelischen und körperlichen Beschwerden
  • der Zusammenhang zwischen Beschwerden und Trauma bleibt unerkannt
  • der Patient leidet unter einer Störung mit ihm unbekannter Ursache
  • An unerklärlichen psychischen Störungen zu leiden wirft die Frage auf: Bin ich verrückt?
  • Jetzt wird ein zweiter Tabubezirk betreten, denn psychisch krank oder landläufig "verrückt" zu sein entspricht nicht einfach irgendeiner Krankheit, sondern wirft Zweifel auf an der eigenen "Zurechnungsfähigkeit"
  • aus dem Buch "neue Wege aus dem Trauma" von Gottfried Fischer, Professor für Psychologie und Direktor des Instituts für Klinische Psychologie und Psychotherapie der Universität zu Köln und Begründer der Psychotraumatologie in Deutschland.

Anmerkung von mir: Es gibt einen Ausweg aus dieser Sackgasse!

Zitat aus "Wenn die Seele verletzt ist" von Christiane Sautter: "Wenn die Traumatisierung in der Kindheit geschah und abgespalten wurde, kommt es zu einer verzögerten emotionalen Reaktion. Die Menschen fühlen sich betäubt und stumpf wie unter einer Käseglocke. Sie lassen sich nicht wirklich auf ein soziales Leben ein, meiden andere Menschen und verzichten auf Aktivitäten. Nachts werden sie von Alpträumen geplagt, in denen Sie die traumatische Situation immer wieder erleben. Diese Erinnerungen können sich auch tagsüber plötzlich aufdrängen. Die Betroffenen sind erregt, häufig ängstlich oder depressiv und Suizidgedanken sind nicht selten."

Gerne beantworte ich Ihre Fragen:

Tel. 076 442 05 30